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Christus, unser Friede


 

Ökumenische Studientagung 2017 - Lutherstätten in Augsburg

Zum Reformationsgedenken 2017 befasste sich die ökumenische Studientagung diesmal mit der Augsburger Reformationsgeschichte. Auf den Tag genau 499 Jahre, nachdem Martin Luther klopfenden Herzens in Augsburg zum Verhör durch den päpstlichen Legaten ankam und im St. Anna Kloster Quartier bezog, stiegen die Teilnehmer der Ökumenischen Studientagung am 7. Oktober 2017 die sog. Lutherstiege zum Augsburger Reformationsmuseum hinauf. An vielen Orten in unserer Bischofsstadt ist Reformations- und Weltgeschichte geschrieben worden. Diese kennenzulernen waren die 18 Teilnehmer aus vier Neu-Ulmer Kirchengemeinden (Christus, unser Friede, Petrus, St. Margaretha und St. Mammas) angereist, organisiert und geleitet wieder von Pfarrer Johannes W. Martin.
Referent war einmal mehr der profunde Lutherkenner und Geschichte(n)erzähler Pfarrer Dr. Wolfgang Schöllkopf.

1518 – Das Ketzerverhör

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„Grüße bitte alle in meinem Namen, gleich ob ich zurückkehre oder nicht.“
Diese Worte an seinen Freund, den Gelehrten Philipp Melanchthon (gebürtig aus Bretten b. Pforzheim und Rektor der Universität Wittemberg) zeigen, dass Martin Luther sich nicht sicher war, ob er Augsburg lebend wieder verlassen würde, als er 1518 im Fuggerpalais (der heutigen Fuggerbank) von Kardinal Thomas Cajetan verhört wurde. Drei Tage dauerte diese Unterredung über die 95 Thesen Luthers und seine Erklärung, dass für ihn allein die Gnade Gottes und die Hl. Schrift Heil stiften. Das Schicksal, das ihm drohte, war, wie vor ihm Jan Hus und andere als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Das Museum Lutherstiege erinnert an diese Begebenheiten, an Luthers Weigerung zu widerrufen und an seine Flucht, an deren Ende der Aufenthalt als „Junker Jörg“ auf der Wartburg und seine Bibelübersetzung standen. Es zeigt auch, wie es in der Augsburger Stadt- und in der Kirchengeschichte weiterging.

1530 – Die Confessio Augustana

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Die Anhängerschaft der Reformer wuchs, es gab aber keine formale Kirche und keine klaren Vorgaben. Der Zwang zu einer manifesten Positionierung kam schließlich von außen: Kaiser Karl V. verlangte ein schriftliches Bekenntnis von den Protenstanten, um den Streit zwischen den Religionsparteien zu überwinden. Sein Ziel war die Wiederherstellung der Einheit - unter der Hoheit der Römischen Kirche. Die Schrift, als Diskussionsgrundlage gedacht, sollte ihm zum Reichstag 1530 vorliegen. Stellvertretend für Luther, der noch in Acht und Bann und damit vogelfrei war, war Philipp Melanchthon vor Ort, um die „Confessio Augustana“, die er zusammen mit Luther erstellt hatte und die heute noch als verbindliches Bekenntnis der Lutherischen Kirche gilt, vorzustellen. Dieser Akt fand statt im ehemaligen Kapitelsaal der bischöflichen Pfalz, heute Sitz der Regierung von Schwaben.
Der Kaiser ließ seine Gelehrten (Dr. Johannes Eck, Johannes Fabri und den aus dem Umland von Ulm stammenden Albertinus Marius) mit einer Gegenschrift antworten. Mit der sog. „Confutatio“ verweigerte er die Anerkennung der Confessio, bestätigte das Wormser Edikt von 1521 und damit die Reichsacht gegen Luther und das Verbot seiner Schriften.
Melanchthon verfasste nochmals eine, wenn man so will, „Widerlegung der Widerlegung“, die „Apologie“, die aber ebenso wenig vom Kaiser akzeptiert wurde wie die „Confessio“. Daraufhin schlossen sich die lutherischen Reichsstände 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen.
Alle drei Schriften waren Bestandteil der theoretischen Teile der Studientagung. Interessant ist, dass in diesem Zusammenhang der Papst offensichtlich kaum mehr eine Rolle gespielt hat. Die Entscheidungen traf der Kaiser.

1555 – Der Augsburger Religionsfrieden

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Nach den Konflikten im Schmalkaldischen Krieg und dem Fürstenaufstand war dem Kaiser und den katholischen Fürsten nun bewusst, dass der Protestantismus nicht mehr militärisch besiegt werden konnte. Karl V. gab die neuerlichen Verhandlungen in die Hände seines Bruders Ferdinand (ab 1531 römisch-deutscher König, ab 1558 als Ferdinand I. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches). Auf dem Augsburger Reichstag 1555 verhandelten die Fürsten über einen allgemeinen Landfrieden. Ferdinand unterzeichnete. Damit stellten sie die religiösen Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten vorerst in den Hintergrund. Der Augsburger Religionsfrieden erlaubte es jedem Landesfürsten, die Religion über die Untertanen in seinem Gebiet zu bestimmen. Die bekannte Formel dazu lautete „cuius regio, eius religio“. Die Untertanen erhielten gleichzeitig das Recht auf Auswanderung, wenn sie nicht mit der Konfession einverstanden waren. Damit wurde auch die Confessio Augustana offiziell anerkannt. Das friedliche Nebeneinander der katholischen und protestantischen Landesfürsten hatte für einige Jahrzehnte Bestand, unterschwellig brodelte es allerdings weiter. 1618 entbrannten die Differenzen dann doch im Dreißigjährigen Krieg, der schließlich in den Westfälischen Frieden von 1648 mündete.

1999 – Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

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Noch einmal wurden Augsburg - und das St. Anna Kloster - Schauplatz für ein bedeutendes Ereignis in der gemeinsamen Geschichte der katholischen und evangelischen Christen. Am 31. Oktober 1999, dem Reformationstag, wurde die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von Kardinal Edward Cassidy, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Einheit der Christen und dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes (LWB) Christian Krause in St. Anna unterzeichnet. Als zentrales Dokument der Ökumenischen Bewegung beschreibt sie einen Konsens über Grundwahrheiten der Rechtfertigung „allein aus Gnade“. Dieser Konsens wird vom LWB, der Römisch-Katholischen Kirche und (ab 2006) dem Weltrat der Methodistischen Kirchen getragen und überwindet einen zentralen Punkt der Spaltung.

Bedeutende Jahreszahlen, bedeutende Ereignisse, die in Augsburg zu verorten sind. Reformations-, Kirchen- und Weltgeschichte wurden da geschrieben. Vielleicht hat Augsburg auch deswegen so viele Kirchen: Nicht nur, um nur die Innenstadtkirchen zu nennen, den Hohen Dom auf katholischer Seite, die Basilika St. Ulrich und Afra, St. Peter am Perlach mit dem Bild der Knotenlöserin, die wunderbar atmosphärische St. Moritz Kirche oder die Herz-Jesu-Kirche in Pfersee im Jugendstil, sondern auch herrliche evangelische Kirchen wie die St. Anna Kirche, die „andere“ Heilig-Kreuz-Kirche oder die evangelische Ulrichskirche, die als ehemalige Predigtkirche zusammen mit der katholischen Basilika ein sichtbares ökumenisches Zeichen darstellt. Sie alle haben mehr oder weniger mit der Reformation und damit mit der Kirchenspaltung zu tun und dokumentieren dennoch, dass ein friedliches Neben- und Miteinander trotz konfessioneller Vielfalt möglich ist.

Wir glauben alle an den einen Gott.

Friederike Alt